Eigenrecherche mit AI- mit Zenodo DOI: https://doi.org/10.5281/zenodo.15328040

Die Diagnose bipolare Störung – Ein statistisches, methodisches und pharmakologisches Problem

Mein Artikel auf Scientific Freedom:

Withdrawal symptoms are not relapse of the disease: A patient’s view on how psychiatry mislabels neurochemical rebound

Veröffentlichung auf scientificfreedom.dk:

https://www.scientificfreedom.dk/2025/05/27/withdrawal-symptoms-are-not-relapse-of-the-disease-a-patients-view-on-how-psychiatry-mislabels-neurochemical-rebound/

retweetet von Prof. Dr. Peter Goetsche:

Hier der Text auf deutsch:

Absetzsymptome sind kein Rückfall der Krankheit: Die Sicht eines Patienten darauf, wie die Psychiatrie den neurochemischen Rebound falsch einordnet

Von Martin Hemberger
Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH)
Würzburg, Deutschland

Veröffentlicht auf der Website des Institute for Scientific Freedom am 27. Mai 2025

Ein gefährliches Missverständnis, das tief in der Psychiatrie verankert ist, besteht darin, dass das Wiederauftreten von Symptomen nach dem Absetzen psychiatrischer Medikamente als Rückfall der ursprünglichen Erkrankung gilt. Für viele Patienten, einschließlich mir selbst, hat dieser Glaube zu Fehldiagnosen, Leiden und einer unnötig langen Einnahme schädlicher Medikamente geführt. Was die Psychiatrie als „Rückfall“ bezeichnet, ist fast immer eine physiologische Reaktion auf das Absetzen einer Substanz, die die Gehirnfunktionen verändert hat.

Dieser Artikel spiegelt meine persönlichen Erfahrungen wider, gestützt durch die Forschung namhafter Ärzte wie Peter Gøtzsche und Joanna Moncrieff. Sie haben den dringenden Bedarf hervorgehoben, neu zu überdenken, wie die Psychiatrie das Wiederauftreten von Symptomen nach dem Absetzen von Medikamenten interpretiert. Peter hat unverblümt festgestellt, dass Medikamentenabhängigkeit oft als Krankheitsrückfall missdeutet wird. Seine Bücher, insbesondere Deadly Psychiatry and Organised Denial sowie Mental Health Survival Kit and Withdrawal from Psychiatric Drugs, haben mein Bild von der Psychiatrie grundlegend verändert. Sein Mut, den Mainstream-Narrativen zu widersprechen, und seine Hingabe an die Wahrheit sind zutiefst inspirierend.

Das dominante psychiatrische Dogma

Die Standarderzählung der Psychiatrie lautet, dass Psychopharmaka ein zugrunde liegendes chemisches Ungleichgewicht korrigieren. Wenn ein Patient also Medikamente absetzt und daraufhin Leid erfährt, wird dies als Beweis dafür gewertet, dass die Krankheit zurückgekehrt ist. Doch niemand hat je nachgewiesen, dass eine psychiatrische Erkrankung durch ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn verursacht wird – und Joanna hat diese Theorie jüngst für Antidepressiva entschieden zurückgewiesen.

In der Praxis bedeutet dieses falsche Dogma, dass Patienten, die versuchen, Medikamente wie Lithium, Quetiapin oder SSRIs auszuschleichen, oft hören, ihre Erkrankung sei „chronisch“. In Wirklichkeit erleiden sie die neurochemischen Folgen des Absetzens. Statt Entzug als Entgiftungsprozess zu verstehen, deutet die Psychiatrie ihn als pathologisch.

Meine persönliche Erfahrung

Nachdem mir Quetiapin und Lithium verschrieben wurden, bemerkte ich, dass jeder Versuch, die Dosis zu reduzieren oder eine Pause einzulegen, zu emotionalem und körperlichem Chaos führte – starke Angst, Schlaflosigkeit, Überempfindlichkeit und Stimmungsschwankungen. Diese Symptome hatte ich vor der Einnahme nicht. Dennoch interpretierten meine Ärzte sie als Rückfallanzeichen.

Was mit mir geschah, war ein klassisches Beispiel für neurochemischen Rebound. Mein Gehirn, das sich an die künstliche Unterdrückung oder Verstärkung bestimmter Neurotransmitter angepasst hatte, versuchte, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das ist keine Krankheit – das ist Biologie.

Das Versäumnis, Entzug von Rückfall zu unterscheiden, verlängerte meine Behandlung, vertiefte mein Misstrauen und gefährdete fast mein Gefühl von Selbstbestimmung.

Was die Wissenschaft wirklich sagt

Die wissenschaftliche Literatur bestätigt zunehmend, was Patienten seit Jahrzehnten berichten. Das Absetzen von Antipsychotika und Stimmungsstabilisatoren kann Symptome hervorrufen, die die ursprüngliche Erkrankung nachahmen oder sogar übertreffen.

Joanna und Peter haben ausführlich darüber geschrieben, wie Entzugssymptome mit Krankheitsrückfällen verwechselt werden, und betont, dass viele „Rückfallstudien“ die Entzugserscheinungen überhaupt nicht berücksichtigen – ein gravierender methodischer Fehler.

Das ethische Problem

Die Unterscheidung zwischen Entzug und Rückfall zu versäumen, hat verheerende Folgen. Patienten wird gesagt, sie „bräuchten“ das Medikament, obwohl sie möglicherweise längst hätten gesund werden können. Sie werden erneut medikamentiert und die informierte Einwilligung wird verletzt.

Ärzte versäumen es oft, über mögliche Entzugsreaktionen aufzuklären oder verharmlosen deren Auswirkungen. Mir wurde nie erklärt, dass Lithium einen Glutamat-Rebound auslösen kann oder dass das Absetzen von Quetiapin einen Dopaminanstieg verursacht. Dieses Verschweigen ist nicht nur klinische Fahrlässigkeit – es ist ein ethischer Bruch.

Schlussfolgerung: Auf dem Weg zu einer ehrlichen Psychiatrie

Es ist an der Zeit, dass die Psychiatrie anerkennt: Das Wiederauftreten von Symptomen beim Reduzieren oder Absetzen einer Dosis ist selten ein Rückfall, sondern meist das Gehirn, das sich von chemischer Manipulation erholt.

Patienten verdienen informierte Einwilligung – nicht eine lebenslange Medikation, die auf Fehldiagnosen und falschem Dogma beruht. Die Zukunft einer ethischen Psychiatrie muss die volle Anerkennung von Entzugssyndromen, transparente Kommunikation und vor allem das Zuhören einschließen – zuhören denjenigen, die es erlebt haben, anstatt ihre Symptome als Krankheitsrückfall abzutun.

Literatur

Tödliche Psychopharmaka und organisiertes leugnen

Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität

Chemically Imbalanced

Mental Health Survival Kit and Withdrawal from Psychiatric Drugs: A User’s Guide

Geisteskrankheit ein moderner Mythos- Prof. Dr Thomas Szasz – https://amzn.to/3VfxEUv

Videos:

https://www.youtube.com/watch?v=AN-361DYwK8 – Moncrieff – Myth of a chemical cure


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